Auffällige Provisionen rund um die Post-Privatisierung

Hohe Provisionszahlungen

Die Marktwirtschaft schreit überall nach Deregulierung und Liberalisierung. Im Klartext bedeutet dies, der damit oftmals überforderte Staat soll sich aus vielen Bereichen sukzessive zurückziehen, in denen er früher wirtschaftlich aktiv war.

Dazu zählen beispielsweise das Bildungs- und Gesundheitswesen, Strafvollzug und Polizei, die Wasserversorgung, das Transportwesen und auch die Post. Die Privatisierung dieser Bereiche soll zu marktwirtschaftlichen Bedingungen in ihnen und damit zu einer immer besseren und preiswerteren Versorgung der Bürger führen.

Soweit die Theorie. In der Praxis mündete die nicht selten mit zweifelhaften Methoden durchgeführte Privatisierung vieler Bereiche der Volkswirtschaft nicht selten in Abzocke und Profitmacherei. So wurde beispielsweise die Wasserversorgung in Berlin privatisiert. Die Konsequenzen: die Wasserqualität wurde dramatisch schlechter, das Wasser jedoch gleichzeitig um bis zu 400 % teurer!

Post.at wurde 2006 teilweise privat

Auch die bereits im Jahre 2006 von zumindest Teilbereichen der österreichischen Post AG vollzogene Privatisierung wirft nun im Nachgang Fragen auf. So stellte ein Gutachter, der sich mit den Vorgängen der Teilprivatisierung der österreichischen Post vom Mai 2006 beschäftigte nun auffällige Provisionszahlungen für den Deal fest.

Hohe Provisionszahlungen

Hohe Provisionszahlungen

350.000 Euro Provisionen sind geflossen

So konnte der Gutachter feststellen, dass der Inhaber der Beratungsgesellschaft Valora AG, Peter Hochegger, der den Börsengang unter Beteiligung der Investmentbank Raiffeisen Centrobank AG seinerzeit einfädelte, auffällige Erfolgsprovisionen in Höhe von 350.000 Euro einstrich. Allerdings, so der Gutachter, ohne hierfür Leistung erbracht zu haben.

Keinerlei Leistungen erbracht

Der Gutachter konnte ermitteln, dass die Summe in Höhe von 350.000 Euro auf der Basis von Rechnungen gezahlt worden ist, wobei unter Verwendungszweck „Post-Börsengang“ angegeben war.

Quelle: http://www.profil.at/articles/1428/981/376707/karl-heinz-grasser-auffaellige-provisionszahlungen-post-privatisierung-2006

Rein inhaltlich, so der Sachverständige, erbrachte die Valora AG in Bezug auf den Börsengang keine Leistungen. Auch rein zeitlich wäre dies nach Meinung des Gutachters überhaupt nicht möglich gewesen. Der Börsengang der Post erfolgte im Mai 2006. Die Valora AG wurde jedoch erst offiziell im Jahre 2007 gegründet.

Das Unternehmen besaß also zu jenem Zeitpunkt, da die besagten 350.000 Euro bereits flossen, überhaupt noch gar keine Mitarbeiter, die dazu in der Lage gewesen wären, irgendeine Art von beispielsweise Beratungsleistung für den Börsengang der Post AG zu erbringen.

Quelle: http://orf.at/stories/2237679/

Der frühere Finanzminister Karl-Heinz Grasser, unter dessen Ägide die Teilprivatisierung infolge des Börsenganges stattgefunden hatte, bestritt inzwischen öffentlich jedwede Art von Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem Börsengang. Auffällig ist dann allerdings, dass sich eben jener Grasser im Februar 2007 finanziell an der Valora AG von Peter Hochegger beteiligte. Viele Sprichworte und Sentenzen passen auf diese Finanztransaktion. Am besten aber jene: Gier frisst Hirn.